Vier unterschiedliche Auslegungsformen der Bibel: jüdisch – katholisch – reformiert –freikirchlich

Dienstag, 09.30 bis 11.00 Uhr

katharinenFestsaal St. Katharinen (St. Katharinengasse 11, St. Gallen)

7. November bis 28. November 2017

Leitung / Moderation: Diakon lic. theol. Thomas Reschke, Katholischer Seelsorger an der Universität St.Gallen

Im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum und der Kunstinstallation „Buch“ auf dem Campus entstand die Idee, vier Zugänge zur Bibel in einer Ringvorlesung zu beleuchten. 

 

7. November: Die jüdischen Auslegungsformen der Hebräischen Bibel

Referent: Rabbiner Dr. h.c. Tovia Ben-Chorin הרב טוביה בן-חורין

Die jüdische Tradition kennt vier Formen von Exegese, die in der Form eines Akronyms dargestellt werden: die PaRDeS-Typologie, P steht für Pschat, wörtliche Erklärung, R steht für Remes, Andeutender Hinweis, D steht für Drasch, Interpretation und Bedeutung, S steht für Sodj, mystischer Sinn. Die moderne jüdische Wissenschaft benutzt Bibelkritik, Quellentheorie, Philologie und in Israel besonders Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen, die den Alltag und die Geschichte der Bibel darstellen. Der Rabbiner wird auch seine persönliche Einstellung zur Bibelinterpretation erörtern. 

 

14. November: Der katholische Zugang zur Heiligen Schrift

Referent: Diakon Thomas Reschke

Über Jahrhunderte hat das kirchliche Lehramt den „einfachen“ Gläubigen das Lesen der Bibel nicht erlaubt. 1229 verbot die Synode von Toulouse Laien den Besitz von Bibeln. Die Synode von Tarragona erklärt 1234: „Niemand darf die Heilige Schrift in der Muttersprache haben. Und wer eine hat, muss sie binnen einer Woche dem Erzbischof zum Verbrennen abliefern, wenn er nicht als Häretiker gelten soll.“ 

Angesichts der Kirchengeschichte erscheint es revolutionär, dass im Vorfeld des 2. Vatikanums katholische Bibelbewegungen und Bibelforschung aufblühten. Damit knüpfte man an altkirchliche Tradition an: „Wer die Bibel nicht kennt, kennt Christus nicht.“  (Hieronymus). Heute versteht sich das kirchliche Lehramt als „Dienst am Wort“, das eine Vielfalt von Auslegungsmethoden unterstützt.

 

21. November : Der evangelisch-freikirchliche Zugang zur Bibel – Grundannahmen, Prinzipien und Hindernisse, die eine Brücke von der Welt der Bibel in die Welt von heute bauen können

Referent: Pfarrer Gust Ledergerber, Präsident Evangelische Allianz SG, Pastor Stami, Kirche, die bewegt

Die Bibel hat oberste Autorität (die Schrift allein ist Königin, Luther). Der Zugang erschliesst sich geschichtlich historisch, heilsgeschichtlich und christologisch (was Christus treibt, Luther) und fragt in der Kontextualisierung im Wissen um kulturelle Scheuklappen nach der Bedeutung für heute. 

 

28. November: Stolpersteine und Klärungen auf dem Weg zu einem wahrheitsgetreuen Bibelverständnis

Referent: Pfr. Martin Schmidt: Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen. 

Das Buch der Bücher – die Bibel ist die „heilige“ Schrift, auf die sich alle christlichen Denominationen berufen. Eigentlich sollte uns dieses Buch verbinden, es führt aber oft dazu, dass wir in den Interpretationen weit auseinanderliegen. Gibt es einen gemeinsamen Weg, oder stimmt der Satz: „Wir können die Bibel nur ernst nehmen oder wörtlich.“